Dementia Care
Mapping DCM (Abbildungen
der Demenzpflege) Qualität wird
zumeist an äusseren Gegebenheiten wie z.B. den
Ausbildungen, dem Milieu und der Dokumentation festgemacht.
Selten gelingt es dabei, Menschen mit Demenz eine Stimme zu
geben und deren Wohlbefinden in den Mittelpunkt des
Qualitätsverständnisses zu rücken. Im Kern geht es bei
Demenz um Abhängigkeit und um die Angst, das eigene
Personsein zu verlieren. An dem Projekttag soll unter dem
Begriff "positive Personenarbeit" vorgestellt werden, wie
Pflege es Menschen mit Demenz erleichtern kann, sich in
alltäglichen Bezügen als Person zu erfahren. Auf
der Grundlage dieser Pflegephilosophie soll ein Verfahren
aus England vorgestellt werden, Wohlbefinden messbar zu
machen und Anhaltspunkte für die kontinuierliche
Verbesserung von Wohnen und Pflege Sorge zu
tragen. Im Rahmen eines
sozialpsychologischen Verständnisses von Demenz treten
die Themen Abhängigkeit, Angst und Beziehung in den
Mittelpunkt des Interesses. Demenz, erlebt als
schicksalshafte Abhängigkeit, löst
Beziehungswünsche aus, die zwar nicht kindlich sind,
aber dennoch eine kindhafte Struktur besitzen. Die damit
verbundenen einvernehmenden Themen werden im pflegerischen
Kontakt selten reflektiert, sondern unbewusst in
verschiedenen Abwehrformen agiert. Die Konzentration der
Pflege auf die Kontrolle des Körpers und des Verhaltens
stellt eine solche Abwehr gegen Demenz dar. Demenz beinhaltet
die Angst, sich selbst als Person zu verlieren. Ob der
Mensch mit Demenz sein Personsein erhalten kann, hängt
weitgehend vom Beziehungs- und Milieuangebot ab. Dem
Menschen zu helfen, sein Personsein zu wahren, bedeutet
konkret im Alltag, nach Möglichkeiten der Steigerung
subjektiven Wohlbefindens zu suchen. Dies aber ist verbunden
mit dem Zulassen von Regressionen, die oft massiv mit den
Wünschen der Umgebung, wie ein Mensch mit Demenz
aussehen und was er tun soll, zusammenstossen. Das DCM-Verfahren
(Dementia Care Mapping), entwickelt von einer Arbeitsgruppe
um Professor Tom Kitwood an der Universität Bradford
GB, stellt ein Beobachtungsverfahren dar, um das relative
Wohlbefinden von Menschen mit Demenz detailliert
festzuhalten und um Rückschlüsse auf die personale
Qualität der Pflege zu ziehen. Verhaltens- und
Wohlbefindlichkeitsprofile, degenerative Verläufe,
positive Ereignisse und personale Entmächtigungen
gleichen einem Fingerabdruck der Pflegeumgebung. Auf dem
Hintergrund dieser Messungen können konkrete
Anhaltspunkte gefunden werden, um die Praxis zu
verändern, indem quantifizierbare Entwicklungsziele vom
Team erarbeitet und beschlossen werden. Diese lassen sich
bei der nächsten Messung überprüfen.
Das Verfahren ist in
Großbritannien weit verbreitet, wird in der
Pflegeforschung eingesetzt und vom National Health Service
als QS-Verfahren empfohlen. Das Kuratorium deutsche
Altershilfe (KDA) hat es mittlerweilen auch als wertvolles
Qualitätssicherungsinstrument für
gerontopsychiatrische Einrichtungen empfohlen. Die
Grundlagen für die Anwendung können in einem
dreitägigem Seminar erworben werden. Text : Tertianum
ZfP, Seminar DCM Dementia Care Mapping (Link a) Foto : Morgen ist
alles anders ... (Ursula Markus/Paula
Lanfranconi)